Mai 2022: Neckar, Fernziel Köln

 


Die Reisen mit NAJADE werden länger. Für 2022 planen wir einen Abstecher in den Neckar und ein Besuch von Köln. Dort soll das Bier richtig gut sein. Zurück via Mosel und Frankreich? Wir werden sehen. 

Dienstag 10. Mai 2022, Rheinfelden-Breisach: Wir starten! Eigentlich kennen wir diese erste Tagesetappe bestens, doch jedesmal bringt sie etwas Neues. Diesmal haben wir Gäste an Bord. Doch von Anfang an. Die Sommerreise 2022 geht bereits am Montag los. Christian, der in Würenlos arbeitet, nimmt uns auf dem Heimweg nach Rheinfelden mit. Das ist noch nicht alles: Hulda schiebt Pizza in den Ofen. Wir geniessen ein wunderschönes Abendessen und nachher noch einen Schlummertrunk an Bord.

Der erste Reisetag beginnt mit einem Frühstück, die Gäste bringen das frische Brot und die Gipfeli mit, und die Sonne scheint. Was will man mehr. Um 09.15 Uhr legen wir ab, 10 Uhr Schleusen in Augst, die nächsten Stunden sind wie programmiert. 12 Uhr Hafen Weil am Rhein, doch weil Dienstag ist, gibt's keinen Mittagshalt. Das Restaurant am Hafen ist geschlossen, JAAAAA, es ist ja Dienstag. 

Die Schleusen meinen es heute gut mit uns. Fast immer rutschen wir gleich durch. Entweder alleine oder dann im Verbund mit Berufsschiffen. Um 18 Uhr legen wir in Breisach beim Motorboot & Yachtclub Breisach (MYC Breisach) an. Für die Gäste steht der Aussensteg bereit. Den ganzen Tag lang haben wir 1, ja ein einziges, Sportboot unterwegs gesehen. 

Im Städtchen essen wir türkisch-deutsch im Restaurant Kapadokien, dann bringen wir unsere Tagesgäste auf den Zug, der sie nach Basel zurückbringt (Abfahrt jeweils XX.31 Uhr). Den Sonnenuntergang geniessen wir oben auf der Burg mit einem unglaublichen Fernblick durchs Rheintal, auf die Vogesen und den Kaiserstuhl. Für den den Schlummertrunk lassen wir uns an der Anlegestelle der Flusskreuzfahrtschiffe nieder. Die vier Schiffe vom Nachmittag sind weg, samt ihren vielen Passagieren. "Zum Glück", kommentiert die Wirtin den leeren Platz, denn nun hätten ihre Gäste endlich wieder einen freien Blick auf den Rhein. Sie empfiehlt für die Nacht "ein Viertele Rosé Blauburgunder" und garantiert uns danach einen ruhigen Schlaf. Gute Nacht.

Gefahrene Distanz: 74 km, inkl. 6 Schleusen (Motor: 2618 h).

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Mittwoch 11. Mai 2022, Breisach-Kehl: Die zweite Etappe der Rhein-Autobahn wird zur Sommerfahrt. Es ist schon fast heiss. Unterwegs passiert nicht viel Aussergewöhnliches. Bei fast allen Schleusen treffen wir grüne Einfahrtssignale an, nur in Rheinau müssen wir eine Viertelstunde warten, bis ein Frachter aufgeholt hat. Vor einem Jahr absolvierten wir die Etappe noch schneller, aber weniger gemütlich. Damals sorgte das Hochwasser für zusätzlichen Schub. Dafür war die Einfahrt in den Hafen beim Nautic Club Kehl schwieriger. Gegen die starke Strömung musste NAJADE damals alle Reserven locker machen. Von wegen Sommersaison: Die Sportschifffahrt scheint immer noch im Wintermodus zu sein. Gestern trafen wir ein Schiff an, und heute ebenfalls nur eines. Was ist da los?

Gefahrene Distanz: 66 km, inkl. 5 Schleusen (Motor: 2625 h)   

Donnerstag 12. Mai 2022, Kehl-Beinheim (Baggersee): Grosse Premiere, wir ankern das erste Mal für eine Nacht in der freien Natur. Ausgesucht haben wir das ehemalige Baggerloch von Beinheim am französischen Ufer ein paar Kilometer nach der Schleuse Iffezheim.

Doch zuerst gibt's noch grosses Kino, Schleusenkino auf Breitleinwand. Gleich drei riesige Flusskreuzfahrtschiffe überholen uns kurz vor der Schleuse Iffezheim. Sie fahren dicht hintereinander. Gleichzeitig nähert sich von hinten ein Frachter, und bergwärts ist die grosse Kammer mit zwei Berufsschiffen gefüllt. Zudem ist die kleine Kammer nicht in Betrieb. Stau! Für den Schleusenwärter eine ziemlich komplexe Situation. Er bittet uns deshalb, am Sportbootanleger festzumachen, denn "es könne länger gehen". 

Die Einschätzung ist korrekt. Zwischen der Schhleusenzentrale und den drei Kreuzfahrern entwickelt sich eine rege Kommunikation. Das hinterste Schiff des Trios - der Zuletztangekommene - bittet nämlich darum, als erster einfahren zu dürfen. Grund: Das Schiff sei gegenüber dem Fahrplan verspätet.... Der Kapitän von Flusskreuzfahrtschiff Nummer 2 ersucht um die Erlaubnis, unmittelbar nach der Schleuse für drei Stunden festmachen zu dürfen, denn man erwarte zwei zusteigende Musiker für ein Abendkonzert. Dem Schleusenmeister verschlägt es zuerst die Sprache, dann antwortet er kurz und bündig: "Nein, nein, so was geht nicht". Fünf Minuten später fragt er nach, welche Art von Instrumenten das Orchester gedenke einzuladen. Dies weiss der Käptn wiederum nicht, worauf der Schleusier nachgibt und die Aktion doch noch erlaubt. Die Erklärung für den Meinungsumschwung liefert er gleich nach. Bei den Musikern handle es sich eigentlich um eine Art von Besatzung, und den Flussschiffen sei das Wechseln der Mannschaft im Schleusenbereich explizit gestattet. Unterdessen ist die grosse Kammer bereit, das Einfahrtssignal wechselt auf Grün.  Und wer fährt zuerst ein? Natürlich der Vorderste, der auch als erster angekommen ist. Doch zeitlich bringt das keinen Vorteil, geschleust wird gemeinsam. Bis die drei dicken Brocken in der engen Schleuse parkiert sind, vergehen nochmals 20 Minuten. Und auch auch der Schubverband findet noch Platz, nur NAJADE muss oben bleiben. 

Wir schaffen Iffezheim dann auch noch, es ist aber schon halb acht Uhr. Der Anker fällt mitten im Baggerloch, es ist etwa 10 Meter tief. Wir grillen und geniessen den Abend in der Einsamkeit. Hier wird ja sowieso kein Schiff vorbeikommen, denken wir. Falsch: Um 7 Uhr am anderen Morgen hören wir Motorgeräusche. Ein leerer Kiesfrachter schleicht vorbei und lässt viel Abstand zu NAJADE. Sehr rücksichtsvoll, denn zum Aufstehen ist es noch viel zu früh. 

Gefahrene Distanz: 45 km, inkl. 2 Schleusen (Motor: 2632h).

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Freitag 13. Mai 2022, Beinheim-Speyer: Die Rennstrecke wartet... Bis Mannheim befahren wir einen Rheinabschnitt mit starker Strömung, und mit Rückenwind. So schnell wie heute waren wir noch nie unterwegs. Der Fluss schiebt uns mit acht bis zehn Kilometer pro Stunde talwärts. Unser Geschwindigkeitsmesser nagt an der 20-Kilometer-Marke. 

In Speyer steuern wir den neuen Stadthafen an. Vor acht Jahren übernachteten wir schon einmal hier, mit unseren kleinen Sportbooten. Damals waren die meisten Liegeplätze noch frei, nun ist fast alles belegt. Der Gästesteg befindet sich am Anfang des Hafens an Steuerbord. Über eine Telefonnummer muss man sich anmelden und erhält dann alle Infos und Zugangscodes. Das Einchecken inklusive das Zahlen der Gebühren erfolgt über den Automaten beim Parkplatz neben dem Clubhaus/Restaurant.

Der Platz ist ruhig und gut gelegen, einziges Handicap sind die Toiletten und Duschen in der Capitanierie (sehr sauber und grosszügig) auf der gegenüberliegenden Uferseite. Zu Fuss läuft man gut und gern fünf Minuten, das Nutzen des Velos ist in dringenden Fällen empfohlen... 

Gefahrene Distanz: 68 km (Motor: 2636h).

Samstag 14. Mai 2022, Speyer-Heidelberg: Bilderbuchwetter, wie im Sommer, ein sehr schöner Tag zum Flusswandern. Wir denken beim Morgenessen mal grob die Weiterreise mit den Ziel Stuttgart durch, und kommen zum Schluss, dass wir tanken sollten. In den beiden Reservoirs im Motorraum befinden sich zwar geschätzt noch etwa 300 Liter Diesel, doch volle Tanks beruhigen das Gewissen und man hat eine Sorge weniger. Wir wissen: Am Neckar gibt es keine Tankstellen direkt am Wasser. Somit peilen wir einen Tankstopp beim Motoryacht-Club Kurpfalz Mannheim (MCK) an. Negativ: Gemäss Internet öffnet die Tankstelle am Samstag erst um 14 Uhr. Positiv: An der Säule ist Shell GTL Fuel verfügbar, ein synthetischer Dieseltreibstoff, der besser verbrennen und weniger Wasser aufnehmen soll, da kein Biodiesel enthalten ist. Negativ oder positiv?: Der Liter kostet 2.20 €. 

Wir haben Glück, beim Einbiegen in den Hafen um 10 Uhr ist die Tankstelle bereits besetzt, wir können unsere Reservoirs auffüllen. Als erstes erhält NAJADE noch ein wenig Medizin gegen die Dieselpest: 1 Liter LiquiMoly 21317 Anti-Bakterien-Additiv (besser bekannt als Grotamar). Danach haben exakt 466 Liter Diesel in den zwei Tanks Platz. Das Bezahlen geht nur mit EC-Karte, der vierstellige Betrag auf der Quittung garantiert mindestens eine schlaflose Nacht... Es ist erst der zweite Tankstopp seit der Übernahme der NAJADE im Herbst 2020. Wir ziehen eine Bilanz über den Verbrauch. NAJADE ist garantiert keine Säuferin (genauso wie ihre Besatzung.....). Umgerechnet auf die gefahrenen Motorstunden ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von rund 4.3 Liter pro Stunde (inklusive Betrieb Webasto-Warmluftheizung und Wallas-Dieselkochfeld). Nicht schlecht. 

Die Glückssträhne bleibt uns treu. Bei den ersten beiden Neckarschleusen in Feudenheim und Schwabenheim lernen wir die vermutlich freundlichsten Schleuser Deutschlands kennen. Sie geben klare Informationen, empfehlen das Anlegen im hinteren, weniger wirbligen, Teil der Kammer und wünschen bei der Ausfahrt alles Gute und gute Fahrt. Sehr sympathisch, danke!

So geht es weiter, am Steg des Motor-Boot-Club Heidelberg e.V. (MBC) stehen die Hafenmeisterin Biggi und ihre Stellvertreterin schon bereit und nehmen die Leinen entgegen. Für die Gastlieger ist der äusserste Liegeplatz am Schwimmsteg reserviert. Im Clublokal erhalten wir gleich noch alle nötigen Infos und Hinweise für die Weiterfahrt neckaraufwärts. Die MBC-Stege (und diejenigen des benachbarten Motor-Yacht-Club Heidelberg, MYC) befinden sich am linken Flussufer. Die Infrastruktur ist ausgezeichnet (Toiletten, Duschen), das Stadtzentrum Heidelberg eine Spazier-Viertelstunde entfernt.

Der erste Tag auf dem Neckar schliesst nur positiv ab: Die Flusslandschaft ist wunderschön, und die Einheimischen sind ausgesprochen freundlich. Das gilt auch für die Polizei. Auf den Neckarwiesen gegenüber feiert die junge Generation relativ laut die erste sommerliche Nacht, so um 23 Uhr nähert sich ein Streifenwagen. "Ihr lieben Leute, ist es möglich, ein wenig leiser zu sein? Die Nachbarn möchten schlafen". tönt es aus dem Lautsprecher, "Ihr dürft schon weiter feiern, aber es wäre natürlich schon gut, wenn es leiser ginge, bitte seid doch so nett....Könnt ihr unsere Durchsage hören? Ja? Dann sagt doch alle laut Ja.....". Der erwartete Aufschrei bleibt aus, das Fest geht weiter.  Uns stört die Party überhaupt nicht, wir sind schon längst eingeschlafen. 

Gefahren Distanz: 47 km, inkl. 2 Schleusen (Motor:2642h) 

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Montag 16. Mai 2022, Heidelberg-Zwingenberg: Mit dem Auffüllen der Wassertanks testen wir, ob die beiden Tanks allenfalls als variablen Ballast genutzt werden können. NAJADE hängt nämlich schief im Wasser. Die Backbordseite vereint offenbar mehr Gewicht. Toilette, Dusche und Küche mit Steinplatten befinden sich auf dieser Seite. Wir vermuten, dass das Ungleichgewicht den Geradeauslauf beeinträchtigt. Somit lassen wir den Tank links halbleer und füllen rechts fast voll auf. Das ergibt 100 oder 200 kg mehr an Steuerbord. Welche Überraschung: So austariert fährt NAJADE nun fast ohne Korrekturen geradeaus. 

Ab Schleuse Heidelberg geht es von der flachen Rheinebene in die Hügel des Nordschwarzwaldes. Das Neckartal sorgt für eine wunderschöne Kulisse links und rechts des Flusses. Burgen, Schlösser und kleine Dörfer lockern den tiefgrünen Wald auf. Das Fahren bergwärts ist sehr geruhsam. Mit knapp 10 km/h tuckern wir Richtung Stuttgart durchs Tal. Jeweils alle Stunden unterbricht eine der Schleusen die Fahrt. Unterbrechung ist übertrieben. Die Schleusenwärter stellen die Signale stets unmittelbar nach dem Funkanruf auf Grün. Das Schleusenpersonal ist sehr freundlich, die Kommunikation funktioniert bestens. Vielen Dank!

Genauso freundlich werden wir in Zwingenberg beim Motoryachtclub Neckar EV empfangen. Wir haben vorher angerufen, der Hafenmeister ist da und weist uns am Schwimmsteg ein. Die Marina ist mit einem Campingplatz kombiniert. Die Anlage ist weitläufig, Duschen und Tolietten finden sich im Clublokal direkt hinter dem Steg. Zwingenberg wird vom Schloss Zwingenberg dominiert. Dort logiert Prinz Ludiwg von Baden mit seiner Familie. Das Städtchen unter dem Schloss zeigt sich eher zurückhaltend, oder anders gesagt, es ist nichts los.   

Gefahrene Distanz 42 km inkl. 5 Schleusen (Motor: 2648h).

Dienstag 17. Mai 2022, Zwingenberg-Heilbronn: Man hat nie ausgelernt. Die heutige Lektion betrifft das Schleusen. Vor dem Liegeplatz beim Würtembergischen Motorbootclub Heilbronn e.V. (WMBC) wartet die Kaiser-Willhelm-Schleuse auf die ankommenden Gäste. Mit einer Hubhöhe von etwa drei Metern ist die Schleuse nicht besonders eindrücklich, aber oho, die Wilhelmsschleuse ist die einzige - noch - handbetriebene Schleuse am ganzen Neckar (siehe Wikipedia) und ein echter Zeitzeuge aus der Vergangenheit.

Das läuft dann so ab: Wir nähern uns den beiden Kammern. Beide Tore sind geschlossen. Also muss zuerst muss die Bedienmannschaft abgesetzt werden. Ein Mann geht von Bord. Auf der Schleusenbrücke hat sich bereits interessiertes Publikum eingefunden. "Sie müssen zuerst das Tor oben schliessen", empfiehlt eine ältere Frau. "Und dann die Schieber unten öffnen", rät der Mann daneben. Die Anleitung auf dem Plakat auf der Insel zwischen den Schleusen ist klar. 1. Bergseitige Tore schliessen, 2. Bergseitige Schieber auf Position "zu"... und so weiter. 

Das Schliessen der beiden Tore ist ein Kraftakt, aber sie schwenken langsam in die Mitte der Kammer. Punkt 1 erledigt. Auch der Schieber steht auf zu. Nun können die talseitigen Schieber geöffnet werden. "Sie müssen einfach den Hebel umlegen", sagt der Zuschauer, und die Frau daneben nickt, "wie auf der Anleitung geschrieben". Ganz einfach..., aber der Schieber tut keinen Wank.... Immerhin lässt sich das Drehrad des Schiebers auf der anderen Seite des Schleusentors drehen, talseitig strömt nun Wasser aus der Kammer, der Pegel senkt sich langsam. Doch der Blick in den hinteren Teil der Kammer lässt die Stirne runzeln. Dort schiesst noch immer Wasser zu. "Haben Sie die Anleitung genau gelesen?", kommentiert die Dame. Ja, aber, ja, ein Schieber ist offenbar immer noch offen. Beim zweiten Nachschauen klärt sich das Problem. Der Schieber 2 befindet sich direkt neben der zweiten Schleusenkammer, steuert aber den Wasserfluss in der Kammer eins. Nun ist auch dieser Hebel auf "zu". Alles paletti. "Kommen Sie eigentlich aus der Schweiz?", erkundigt sich die Rentnerin, "dann ist ja alles neu für Sie!". Aha, Schweiz? Binnenland? Landratten? Die haben ja keine Ahnung.... Am Schluss klappt dennoch alles: NAJADE fährt ein, Tore zu und dicht, und hoch. Die Zuschauerrunde klatscht Beifall und die alleswissende Frau schliesst die Lektion treffend ab: "Jetzt haben Sie aber ein grosses Bier verdient!".

Der Gästeliegeplatz für Boote mit mehr als 3,2 Meter Durchfahrtshöhe befindet sich direkt vor dem Clubhaus. Niedriger bauende Schiffe erreichen den Hafen ohne die Passage der Wilhelmsschleuse via Neckar von Süden her. Das Clubhaus ist eindrücklich, dessen Einrichtung ebenso. Der Hafenmeister zeigt uns alles. 2019 fand hier die Bundesgartenschau statt. Nun wird das Areal zu einem neu überbauten Stadtteil von Heilbronn. Mittendrin die Marina: zentraler geht kaum. Wir fühlen uns sehr wohl hier und reservieren gleich für zwei Tage.      

Gefahrene Distanz: 47 km, inkl. 5 Schleusen (Motor: 2656h).

Donnerstag 19. Mai 2022, Heilbronn-Besigheim: Das Motto vom Tag: Heiss, und es wird noch heisser, bis es am Abend kracht. Die Gegend: Man stelle sich vor, dass man von Morgen bis Abend entlang von Weinbergen fährt, man sieht terrassierte Rebberge, Reben in der Ebene, Reben an den Hängen der Hügel, und dann trinkt man am Abend eine Flasche Trollinger vom Besigheimer Wurmberg und spürt im Gaumen das, was man links und rechts des Neckars den ganzen Tagen lang bestaunt hat. Einfach gut!   

Die Aufgabe zum Auftakt der Tagesetappe lösen wir souverän: Talwärts durch die manuel bediente Wilhelmsschleuse. Kurt als wasserkundiger Experte legt die entscheidenen Schieber schon vor dem Morgenessen um, die Kammer füllt sich, und wir - respektive NAJADE - können bequem und sanft zu Tale sinken. 

Mit uns verlassen auch Anja und Ralph mit ihrem Daycruiser den Hafen. Ralph ist Hafenmeister beim Motorbootclub Benningen und kennt alle Windungen und Ecken des Neckars. Welch Zufall, in der Schleuse Besigheim treffen wir uns, und auch der Übernachtungsort ist der gleiche: der Bootshafen Walter. 

Bis es soweit ist leiden wir den Tag durch ein wenig unter der Sommerhitze. In Lauffen fragen wir den Schleusenmeister, ob wir im Oberwasser für eine Pause anlegen dürfen. "Klar, kein Problem", tönt es aus dem Funkgerät. Das Städtchen Lauffen sieht vielversprechend aus. Rundum eine Stadtmauer, ein Schloss und zwei Wehrtürme, ein Stadtspaziergang ist angesagt. Die Exkursion wird eine trockene Sache: alle Beizen sind geschlossen, alle Läden auch, die Gassen sind ausgestorben. Also zurück aufs Schiff. An der Anlegestelle haben wir Nachbarn bekommen. Die THURGAU CASANOVA hat hinter uns festgemacht. Ein Doppelstock-Car nimmt die Gäste auf und fährt weg, dann dockt ein holländischer Lastwagen an. Er bringt Lebensmittel aus den Niederlanden auf's Schweizer Flusskreuzfahrtschiff! So was. 

Im Bootshafen Walter zirkeln wir NAJADE längsseits an die Betonmauer. Wir erhalten einen Schlüssel für das Eingangstor und den Tipp, den heissschwülen Tag in Kramer's Biergarten beim Freibad Besigheim zu kühlen. Den Hinweis befolgen wir gerne. Das Bier ist gut und kühl, und die Currywurst dazu exzellent. Am Himmel ballen sich unterdessen schwarze Wolken zusammen. Wir trinken aus und spazieren heim. Kaum auf dem Schiff fallen die ersten Tropfen. Genau gesehen sind es zwei Tropfen, mit dem dritten setzt die Sintflut ein. Auf einen Schlag öffnet der Himmel seine Schleusen. Wir schaffen es in Rekordtempo, das Verdeck komplett zu schliessen. Draussen ist die Hölle los. Anja und Ralph sitzen immer noch im Biergarten, ihr Boot ist völlig offen. Bekleidet mit der Badehose gelingt es, wenigstens die Kabinentüre zu schliessen. 

Das Unwetter tobt eine halbe Stunde lang, im benachbarten Mundelsheim mit katastrophalen Folgen (Video). Dann klart es auf. Wir verbringen einen ruhigen Abend an Bord, legen uns in die Kojen, und werden kurz nach Mitternacht geweckt. Das Inferno geht wieder los, eine Kaskade von Blitz und Donner und Starkregen.  

Gefahrene Distanz: 25 km, inkl. 4 Schleusen (Motor: 2661h). 

Freitag 20. Mai 2022, Besigheim-Neckarrems: Zur Abwechslung mal ein wenig Action? Die Schleuse Poppenweiler erfüllte den Anspruch bestens. Auf der Anfahrt hören wir im Funk Stichwörter wie Feuerwehraufgebot und Polizeieinsatz. Dann funkt uns die Schleuse direkt an und fordert uns auf, im Vorhafen an Steuerbord anzulegen. Bis zur Schleusung könne es dauern, respektive der Zeitpunkt einer möglichen Bergschleusung sei offen.

Feuerwehr, DLRG-Crew und Polizei sind bereits vor Ort, weitere Einsatzfahrzeuge machen sich mit Sirenen bemerkbar. Als eine Ambulanz-Crew eine Liege inklusive Reanimationsequipement vor uns bereitstellt, befürchten wir das Schlimmste. Wir hören den Funkverkehr ab, nach und nach ergeben sich Fakten. Verletzt ist niemand, in der Schleuse sind zwei Sportboote, eines ist gesunken. Die Feuerwehr legt eine Ölsperre um das gesunkene Schiff, zwei Taucher suchen vergebens nach einem Leck. Wir warten weiter und kochen das Abendessen. 

Die ganze Geschichte erfahren wir erst am Sonntagabend beim Bier im Clubhaus des Schifferclubs Neckarrems. Hafenmeister Klaus zeigt uns Bilder und erzählt. Das gesunkene Boot fällt seit Tagen durch Schlagseite auf. Die Crew stellt Wasser im Boot fest und will das Schiff zur nächsten Werft oberhalb der Schleuse schleppen. Doch während des Schleusens säuft das Sportboot komplett ab. Oh je. Einsatzbericht DLRG Ortsgruppe Vaihingen a. d. Enz  

Die Tagesetappe absolvieren wir im ersten Teil zusammen mit Anja und Ralph. Es ist immer noch heiss und schwül, Ralphs Geheimtipp kommt genau richtig: Ein Besuch von Heinzi's Biergarten in Mundelsheim. Anlegen kann man an der Mauer vor der Käsberghalle, der Biergarten befindet sich im benachbarten Freibad. Das Bad ist heute geschlossen, die Ursache ist augenscheinlich, das Gewitter vom Vortag hat die Badi überschwemmt.  Auf den Strassen liegen Schmutz und Steine. 

Gefahrene Distanz: 33 km, inkl. 4 Schleusen (Motor: 2666h).

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Samstag/Sonntag, 21./22. Mai 2022: NAJADE geht in den Status "Ruhetag", wir verwandeln uns in Touristen und fahren Strassenbahn. Zuerst geht es nach Ludiwgsburg zum barocken Schloss und seinem unendlich grossen Park. Wunderschön! Unter verwunschenen Bäumen findet sich sogar ein Märchen-Wunderland, mit einer Wasserbahn und einem Knusperhäuschen samt Hexe. 

Am Sonntag besuchen wir die Wilhelma, zusammen mit Tausenden von Besuchern. Wilhelma, so heisst der Stuttgarter Zoo. Was gehört noch zum Programm: Selbstverständlich ein Glas Wein auf dem 217 m hohen Stuttgarter Fernsehturm und das Flanieren auf der Königsstrasse, bereichert wird der Sonntagsfrieden mit einer friedlichen Ukraine-Antikriegs-Demo. Die ganze Region befindet sich in Festlaune. Das Wetter passt, das Bier fliesst in Strömen, in Neckarrems wird die neue Mediathek eingeweiht, und wir feiern mit.  

Montag 23. Mai 2022, Neckarrems-Benningen: In der Schleuse Poppenweiler startet die Bergungsaktion für das gesunkene Sportboot. Die Schleusenzentrale beobachtet uns via AIS, stellt fest, dass wir in Neckarrems die Leinen gelöst haben und nimmt gleich Kontakt auf. Zuvor erkundigen wir uns telefonisch, ob heute allenfalls mit Restriktionen beim Schleusenbetrieb zu rechnen sei. Nö, eigentlich nicht, meint der Schleusenmeister, und wenn doch, ja, dann müssten wir halt wieder warten, so wie am Freitag... 

Doch alles klappt. Bei der Einfahrt in den Vorhafen sehen wir, dass die Bergungsaktion angelaufen ist. Etliche Polizeifahrzeuge stehen herum. In der landseitigen Kammer kommt eine Schwimmplattform samt Kran hoch. Wir können gleich danach einfahren.

Nach der zweiten Schleuse in Marbach, der Schillerstadt, versuchen wir direkt im Ufer an einem Steg anzulegen, doch die Wassertiefe reicht nicht. Also fahren wir gleich weiter nach Benningen, wo wir am Steg des Motorbootclub Benningen (MBC) übernachten. Hafenmeister Ralph freut sich auf uns. Zusammen mit dem grossen Wohnboot "TUKAN" (Bericht in der Esslinger Zeitung) legen wir am Gaststeg an. 

Der Spaziergang nach Marbach dauert etwa eine halbe Stunde und lohnt sich. Enge Gassen mit Riegelhäusern prägen das Schiller-Städtchen. Die Marktgasse ist das Zentrum, es gibt einige spannende Läden zu entdecken (zum Beispiel eine offene Werkstatt mit raren Töffli-Ersatzteilen). 

Am Abend treffen wir im Hotel Neckarmühle nebst Anja und Ralph eine grossse Tischrunde mit Bootfahrern. Ein Bier gibt das andere, dazu essen wir ausgezeichneten "Schweizer Wurstsalat". Zum Finale lädt uns das Ehepaar Rath noch in das selbstgebaute Aida-Häuschen zu einem Schlusstrunk ein. An der Decke des kleinen Giebelhauses sind alle Namen und Signete der Aida-Kreuzfahrtschiffflotte verewigt. Die Bar ist reichhaltig mit feinen Tropfen bestückt, weshalb wir ein bisschen länger bleiben. Ralph begleitet uns zum Abschied in den Hafen zurück und genehmigt sich an Bord der NAJADE noch ein echtes Schweizer Feldschlösschen (nicht des Durstes wegen, sondern weil ihm die Aludose so gut gefällt).   

Gefahrene Distanz: 15 km inkl. 2 Schleusen (Motor: 2668h).

Dienstag 24. Mai 2022, Benningen-Lauffen: Der Regenradar verspricht um 9 Uhr Niederschläge, und so ist es dann auch. Es regnet heftig und dazu kommen starke Windböen. Wir nutzen die Zeit und basteln ein wenig. Die Webcam wird in den Motorraum montiert. Nun können wir von zuhause aus die Bilge kontrollieren. Im Schutzhafen Hassmersheim kündigen wir telefonisch unsere Ankunft für Donnerstag an. Der Hafenmeister-Stellvertreter ist orientiert. Zuhinterst im Hafen hält er uns einen Platz frei.

In Lauffen legten wir schon vor zehn Tagen an. Damals spazierten wir durch die Altstadt auf der rechten Neckarseite. Der Rundgang war eine Enttäuschung. Deshalb wählen wir nun den Stadtteil auf dem linken Neckar-Ufer als Ziel. Na ja, viel mehr läuft auch da nicht. Immerhin finden wir einen Aldi zum Einkaufen, und einen Biergarten zur körperlichen Ertüchtigung. 

Dafür glänzt der Übernachtungsort Lauffen am Abend. Wir haben ausserhalb des Schleusenbereichs an der Spundwand angelegt, das Heck schaut nach Westen. Ein farbenprächtiger Sonnenuntergang bahnt sich an. Zwischen dunklen Wolkenbändern nähert sich die Sonne dem Horizont. Die Rebberge glänzen im Abendlicht golden, grün und gelb. Wunderschön. Wir sitzen und schauen, Kino auf Breitleinwand. Die Nacht schleicht heran, Fledermäuse tanzen ums Schiff, und nochmals regnet es, wie am Morgen.

Gefahrene Distanz 29 km, inkl. 4 Schleusen (Motor:2672 h)

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Mittwoch 25. Mai 2022, Lauffen-Offenau: Es muss nochmals gesagt werden, die Damen und Herren im Bedienstand der Schleusen am Neckar sind wirklich sehr freundlich. Man wird nach der Anmeldung per Funk herzlich begrüsst, und schon steht das Einfahrsignal auf grün. In Kochendorf hat uns ein grosses Binnenschiff schon beinahe eingeholt, und der Schleuser weist uns die Anlegestelle am Ufer zu. Doch Anbinden ist nicht nötig. "Wir ziehen Sie vor", heisst es plötzlich und auch hier können wir gleich in die Kammer talwärts schleusen.

Wir parken am Steg des Motorbootclubs Mittlerer Neckar (MCMN), ein sehr ruhiges Plätzchen. Strom, eine kalte Dusche und Wasser sind vorhanden, aber kein Vereinshaus mit Toiletten. Dafür ist die Landschaft einen Spaziergang wert. Im Rahmen des Autobahnausbaus im Raum Stuttgart erfolgten an Offenauer Neckarufer Ausgleichsmassnahmen in Form einer renaturierten Auenlandschaft. Riesige Bäume, zum Teil wegen Mistel-Befalls abgestorben, beeindrucken entlang des Wegs durch die Wiesen. Wir schlendern nach Bad Wimpfen. Die Altstadt trumpft mit engen Gassen, schiefen Riegelhäusern und vielen Gaststätten auf. Am Abend bevorzugen wir die griechische Küche in der Taverne Delos in Offenau. Die Portionen sind gigantisch, und erst noch gut.  

Gefahrene Distanz: 28 km, inkl. 4 Schleusen (Motor: 2675h).

Donnerstag 26. Mai 2022 (Auffahrt, Vatertag), Offenau-Hassmersheim: Viele Wolken am Himmel, und ein kalter Wind macht das Aufstehen nicht sehr attraktiv. Wenn es zusätzlich noch regnen würde, dann, ja dann, dann würde man sich nicht aus den Decken schälen. Wir legen trotzdem ab..., zu einer sehr kurzen Tagesetappe in den Schutzhafen Hassmersheim. Dort wollen wir NAJADE für die nächsten drei Wochen parkieren. 

Zwei positive Ereignisse stehen im Tagebuch. Erlebnis Nummer 1: An der Schleuse in Gundelsheim werden wir gebeten, kurz anzulegen. Das Binnenschiff JAAP WOUTER darf zuerst in die Kammer. Der Frachter ist 80 Meter lang, am hintersten Poller finden wir hintendran gerade noch Platz. Wir sind nur ein paar Meter vom Heck des Grosssschiffs entfernt. Wenn dessen Käptn jetzt die Schraube drehen lässt, dann spült es uns direkt ins obere Schleusentor, denken wir. Doch JAAP WOUTER lässt die Hauptmaschine ruhen und fährt mit dem Bugstrahler aus der Kammer, nicht die kleinste Welle ist zu spüren. Vorbildlich! Wir bedanken uns auf Kanal 10 freundlich. Das Lob kommt gut an. Ein paar Kilometer weiter erkundigt sich der Berufsschiffer bei uns, ob wir in Neckarzimmern wieder gemeinsam schleusen möchten, er würde dann gleich beide Schiffe bei der Schleuse anmelden. So was von rücksichtsvoll! Wir verneinen und drehen in den Schutzhafen Hassmersheim ab, wo uns der stellvertretende Hafenmeister an den Liegeplatz lotst. 

Positiver Erlebnis Nummer2: In den letzten Tagen hat der Bugstrahler nur noch gemault und fast keinen Schub mehr erzeugt. Wir demontieren das Teil, reinigen Kohlen und Kollektor, füllen Öl im Getriebe nach und bauen alles wieder zusammen. Und, welche Überraschung, es funktioniert!

Im Hafen Hassmersheim verlassen wir NAJADE mit guten Gefühlen. Der Schutzhafen des Hassmersheimer Bootsvereins ist ein sicherer Hort, der Hafenmeister hat einen Schlüssel zum Schiff erhalten und kann im Notfall handeln. Wir schliessen alle Seeventile und bringen am Motorstartschlüssel einen entsprechenden Warnhinweis an. Der Bahnhof ist in einer Viertelstunde zu Fuss erreichbar. Die Heimfahrt via Heidelberg, Mannheim und Basel dauert gut fünf Stunden. 

Gefahrene Distanz: 11 km, inkl. 1 Schleuse (Motor: 2677h).

Donnerstag 16. Juni 2022, Hassmersheim-Eberbach: Wer günstig reist, soll sich nicht beklagen, wenn nicht alles reibungslos klappt. Was bei den Billigfliegern gang und gäbe ist, nämlich grosse Versprechen und kleine Dienstleistungen, toppt momentan die Deutsche Bahn mit ihrem 9€-Monatsabo. Die IC-Strecke zwischen Singen und Stuttgart ist in diesem Abo inbegriffen, ein echtes Schnäppchen, wir greifen zu. Für die Fahrt nach Hassmersheim fahren wir via Waldshut, günstiger geht wirklich nicht. Im IC-Schnellzug reservieren wir uns ein Abteil. Das kostet zwar 4€ pro Person zusätzlich, aber man gönnt sich sonst ja nichts. Als wir in Waldshut in den deutschen Zug steigen, ist die Welt noch in Ordnung, und wir tragen Schutzmasken. Die Belegung ist nicht allzu dicht, wir sitzen zwar im Fahrradabteil, aber wir sitzen. 

In Singen ist die Zugfahrt zu Ende. Streckenunterbruch, stattdessen gehts mit dem Schienenersatzbus weiter. Der wartet nicht etwa bei der Bushaltestelle, sondern auf der anderen Seite des Bahnhofs. Dort stehen etliche Busse in der Warteschlaufe und alle fahren irgendwie nach Rottweil. Nur erklären kann das keiner. Die Busfahrer sprechen nicht Deutsch. Wir finden das richtige Gefährt, verstauen das Gepäck unten und kuscheln uns oben in bequeme Ledersitze, ideal für ein Nickerchen. 

In Rottweil steht ein leerer IC auf Gleis 5, und mächtig viel Gäste möchten dort einsteigen. Kein Problem, denken wir, wir haben ja ein Abteil mit Tisch gebucht. Dann lesen wir auf der Anzeigetafel "Dieser Zug fällt aus", als nächste Fahrgelenheit wird der in zwei Stunden abfahrende IC empfohlen. Alle Wartenden sind vorerst sprachlos, und dann komplett still, als der leere Zug einfach wegfährt. Wir konsultieren den Fahrplan und finden einen Regionalzug, der in einer Stunde abfahren soll. Den nehmen wir! Alle anderen haben ebenfalls dieselbe Idee, der gesamte Pulk verschiebt sich durch die Unterführung aufs Nachbargeleise. "Les Vacances" von Monsieur Hullot lassen grüssen. Unterdessen stehen wir dicht an dicht, die Schienenersatzbusse bringen noch mehr Leute, und alle mutmassen, dass jetzt ein sehr langer Zug nötig ist, um alle Passagiere aufzunehmen. Irren ist menschlich, ein dreiteiliger Kurzzug fährt ein. "Gehen Sie in die erste Klasse, wenn man über 60 ist, darf man dort bei grossem Andrang Platz nehmen", raunt uns eine Frau zu. Den Geheimtipp kennen jedoch offenbar auch alle anderen, der 1.-Klass-Wagen wird geflutet, aber immerhin schaffen wir es noch in den Zug. "Jetzt haben wir halt reservierte Stehplätze", scherzen wir, aber lustig ist anders. In unserem Wagen ist nämlich auch die Klimaanlage inaktiv. So schmorren wir in der Hitze, eine Art Niedertemperaturgaren "à la 9€-Euro-Ticket".

Die Fahrt von Rottweil nach Stuttgart entwickelt sich echt nicht lustig, aber unterhaltsam. Die Akteure in der Reihe ihres Auftritts: eine türkische Grossfamilie mit einem kleinen Buben, der entweder schreit oder trotzt oder schreit, eine redselige ältere Dame (bekannt durch ihren "1.Klass-Geheimtipp"), die ihre Tochter besucht um dort Kinder zu hüten und Familieninternas zum besten gibt, und eine jüngere Frau mit Panikattacken, die explodiert, wenn sich jemand näher als 1,5 Meter annähert. Wahrlich eine hochspannende Atmosphäre.... In Stuttgart haben alle genug und möchten möglichst schnell aussteigen, die türkische Grossfamilie überrollt mit ihrem Kinderwagen sämtliche Füsse und weil der Mindestsicherheitsabstand nicht mehr gewährleistet, entlädt sich die Panikattacke mit Getöse. Wir fliehen in die S-Bahn, atmen auf, bis wir dann in Bad Reichenhall nochmals stranden, weil der Anschlusszug soeben abgefahren ist. Immerhin gibt's hier eine Bahnhof-Bar und drei kühle Tannenzäpfle. 

Und nun, 24 Stunden später, sind wir wieder auf dem Neckar, ohne Hektik und Panik, wir schippern entschleunigt talwärts, ein laues Lüftchen macht die Hitze erträglich, und das Gute daran: Das 9€-Ticket ist noch bis Ende Juni gültig! Falls es also auf dem Wasser zu langweilig werden sollte, so können wir jederzeit wieder ins Chaostheater Bahn umsteigen. 

Aber im Moment ist der Wasserweg viel, viel, viel angenehmer als die Schiene. NAJADE hat die lange Pause in Hassmersheim bestens überstanden. Die Maschine springt sofort an. Die Batterien sind voll geladen und die Vorräte haben wir am Vortag noch aufgefüllt. Zehn Minuten weg vom Hafen Hassmersheim findet sich eine Lidl-Filliale. 

In Eberbach legen wir an und spazieren in die Altstadt. Von Aussen sieht sie idyllisch aus, Innen nur noch teilweise. Irgendwie machen die meisten Häuser und Läden einen heruntergekommenen Eindruck. Zum Abschluss des Rundgangs finden wir in einer Pizzeria einen freien Tisch, lernen einen schnellen Araber im Service kennen und warten lange auf ein Bier. 

Gefahrene Distanz: 29 km inkl. 3 Schleusen (Motor: 2681 h)

Freitag 17. Juni 2022, Eberbach-Heidelberg: Tagwache um 05.45 Uhr, die vereinigten Heerscharen der Laubbläser und Rasentrimmer haben sich exakt den Quai von Ebersbach für ihr frühmorgendliches Konzert ausgesucht. Munter starteten sie ihre Fräsen und Bläser. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, leider, denn die Temeperaturen währen in dieser Herrgottsfrühe angenehm kühl um weiter zu träumen. Die Motoren-Kakophonie findet ihren Höhepunkt exakt dann, als bei uns der Frühstückstisch mit frischen Gipfeli gedeckt ist. Nun bläst die Truppe Laub und Dreck direkt in Richtung NAJADE. Wir liften den Anker, respektive lösen die Leinen, und verlegen uns ans gegenüberliegende Ufer.  Ah, welch wohltuende Ruhe. 

Eberbach lassen wir somit mit einer eher negativen Gesamtbilanz hinter uns, nach einer der nächsten Neckarschlaufen kommt bereits Hirschhorn in Sicht. Wir legen an der Mauer (rechtes Ufer) direkt vor dem Städtchen an. Von Weitem sticht einem zwar ein Anlegeverbot ins Auge, doch aus der Nähe betrachtet liefert die Zusatztafel die alles entscheidenden Infos: "Kleinboote bis 15 Meter Länge Anlegen gestattet". Das genaue Hinschauen lohnt sich: Hirschorn ist ein Besuch bei Weitem wert. Wir schlendern durch die Gassen, kraxeln schmale Treppen zum Schloss hoch und bewundern dort oben die herrliche Aussicht und das vergitterte Standesamt. Wer dort drin ist, kann nicht mehr entweichen. Bei der Griechin an der Hauptgasse trinken wir einen kühlen griechischen Wein. Besser kann es einem gar nicht gehen. 

Auf der Weiterfahrt nach Heidelberg zeigen sich wieder einmal die Vorteile des AIS-Transponders. Vor einer engen Kurve meldet der Garmin-Plotter eine Kollisionswarnung vor einem möglichenn Zusammenstoss in rund 5 Minuten. Das angezeigte Schiff kommt schnell näher, ist aber noch nicht zu sehen. Wir verdrücken uns deshalb noch mehr an den rechten Rand des Fahrwassers. Plötzlich meldet sich der Käptn via Kanal 10 und bittet um eine Vorbeifahrt "Steuerbord an Steuerbord". Nichts wie weg! Wir wechseln zügig auf die andere Fahrwasserseit und schon schiesst das Schiff um die Ecke: Es ist der Ausflugsdampfer EUROPA aus Heidelberg. Ohne AIS hätten wir von der kommenden Begegnung nichts erfahren, und der Dampferkäptn von unserer Anwesenheit hinter der ebenfalls nichts. Den nächsten AIS-Bonus erhalten wir wenig später bei der Schleuse Neckargemünd. "Hallo NAJADE, ich hab die Bergkammer schon mal auf Grün gestellt", orientiert uns der Mann im Kommandoraum, obwohl wir uns noch gar nicht angemeldet haben. Das ist ein vorbildlicher Service!

Den Steg des MBC Heidelbergs kennen wir bereits. Und wie vor vier Wochen wartet Hafenmeisterin Biggi schin auf uns. Auch das ist ein vorbildlicher Service! Herzlichen Dank!

Gefahrene Distanz: 34 km inkl. 4 Schleusen (Motor: 2685 h)

Samstag 18. Juni 2022, Heidelberg-Worms: Die letzten zwei Schleusen, ab jetzt frei Fahrt bis zur Nordsee. Die Schleuse Feudenau schliesst den Neckar ab. Wir werden gebeten, an der Spundwand anzulegen, da noch ein Frachter vor uns durch soll. Doch kaum sind die Leinen fest, gibt uns der Schleusier freie Fahrt. Wir legen wieder ab und fahren in die Kammer ein. Wer winkt da oben? Hallo, das ist doch jemand von uns! Huch, wir haben unbemerkt einen Drittel der Crew verloren...

Oh, wie war der Neckar ruhig, auf dem Rhein nichts mehr davon. Beim Motor-Yachtclub Worms wiederholen wir den 4-Meter-Test, nach dem Debakel in Corre im letzten Sommer: Die Bos ist für 4-Meter-Schiffe vorgesehen, ja, NAJADE passt hinein. Die Temperatur steigt über 30 Grad und wir baden am Rheinstrand in Worms. Its das nun gefährlich? Denn das Wasser sieht nicht gerade einladend aus, aber es kühlt ab. Wassertemperatur 25 Grad!

Ein Nachtrag zu Worms. An diesem Wochenende finden im Flösserhafen in Worms die Weltmeisterschaften im Reinspringen, nein, im Rheinspringen statt. Aufgebaut ist eine Sprungschanze, wer mit Skis, Vwlo oder sonstwas am weitesten springt, ist Sieger.  Ein grosses Fest, wir zollen diesem wichtigen Anlass selbstverständlich Tribut und reihen uns in die WM-Besucher ein. Was nehmen wir mit: Die Wormser Backfische sind Zander, kommen aus Kasachstan und sind in Holland aufbereitet worden. Aber sie schmecken ausgezeichnet. Der Wassersportclub Posseidon feiert 2026 das 100-Jahr-Jubiläum seiner Wasserball-Mannschaft. Dessen Teamchef ist zwar schon 60, splelt aber immer noch in der ersten Mannschaft mit. Wasserball ist der gesundeste Sport der Welt. Wer dabei untergeht, muss mehr trainieren. Dass aber um 23 Uhr das Bier ausgeht, ikst nicht seine Schuld. Das nächste Mal passiert das nicht mehr, sagt der Chef, und lädt uns ein, wieder zu kommen. Warum eigentlich nicht? 

Gefahrene Distanz 42 km, inkl. 2 Schleusen (Motor: 2690 h).

Sonntag 19. Juni 2022, Worms-Erfelder Altrhein: Ankern im Erfelder Altrhein, mitten in einem bedeutendem Naturschutzgebiet, das tönt doch toll. Da heute Sonntag ist, tummeln sich unzählige Boote im Altrhein. Es wird geschwommen und gegrillt. Das Betreten des Ufers ist verboten. Dort spielt sich das Lied "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" als reales Drama ab. Meister Reineke schleicht sich an eine Entefamilie heran, die auf dem Sand sonnt, die Gruppe stiebt auseinander, ein Junges läuft in die verkehrte Richtung und der Fuchs packt zu. Oh je.

Der Sonntag hat zu Rekordtemperaturen geführt, so etwa 38 Grad dürften es gewesen sein. Der Blick aufs Wetterradar zeigt, dass sich in der Nacht ein Umschung abzeichnet, es könnte Gewitter geben. Gefahrene Distanz: 35 km (Motorstunden: 2693 h).

Montag 20. Juni 2022, Erfelder Altrhein-Main (Winterhafen): Unglaublich aber wahr: Gestern stöhnten wir wegen der Hitze und heute frieren wir, Temperatursturz von 38 auf 17 Grad! Ein schöner Sonnenuntergang schloss den Sonntag ab. Ausser NAJADE lagen in direkter Umgebung nur noch zwei Boote vor Anker im Altrhein. So gegen 4 Uhr am Morgen ist es vorbei mit der Ruhe. Starke Böen zerren am Schiff, dunkle Wolken jagen über den Himmel und weit weg zucken Blitze. Immer wenn es stark windet, kommt automatisch die Frage: Hält der Anker? Ja, er hält bestens, doch als plötzlich aus den zwei schwankenden Anklerleuchten der Nachbarboote mehrere sich bewegende Lichter werden, schrillen im Kopf die Alarmglocken. Die Vermutung, dass die Boote auf Drift gegangen sind, zerschlägt sich schnell. Grund für die Verwirrung ist ein vorbeifahrendes Frachtschiff, dessen Navigantionslichter den Damme zwischen Altrhein und Fluss überragen. 

Am Morgen setzt starker Regen ein. Wir frühstücken in der Kombüse und ziehen uns Pullover über. Für die Arbeit an Deck kommt noch die Regenjacke dazu. Wir schrubben Fender und Gangway, dies ist eine angenehme Arbeit, denn dank 25grädigem Rheinwasser bekommt man warme Füsse. Der Verkehr auf dem Rhein ist dicht. Besonders eilig haben es die Flusskreuzfahrtschiffe, sie überholen auch bei Gegenverkehr.  Via Kanal 10 sprechen wir uns mit dem Kapitän ab, drehen zur Seite und verlangsamen die Fahrt bis der Riese vorbei ist. 

Im Winterhafen in Mainz sind die freien Plätze mit grünen Schildern markiert. Mit unserer Breite von 4 Metern passen wir aber nicht in jede leere Boyxe. Direkt vor dem Clubhaus des Yachtclubs Mainz ist der Fingersteg frei. Ein perfeckter Platz. Rundgang in der Stadt mit den tiefsten Orgeltönen im Dom.

Gefahrene Distanz: 25 km (Motor: 2696 h) 

Dienstag 21. Juni 2022, Mainz-Schierstein: Gemütliches Bummeln auf dem Rhein, die heutige Tagesettape entspricht einem Katzensprung. Mit einer Whatsup-Nachricht buchen wir beim Wassersport-Verein Schierstein einen Gastplatz. Die Antwort kommt prompt, mit allen Details und dem Türcode. Perfekter Service! Der Hafen Schierstein hat die Grösse eines kleinen Sees, der Spaziergang rundherum misst 5 Kilometer und dauert gut zwei Stunden, inklusive Pausenbier. Eine ganze Rehie von Clubs haben hier ihren Sitz, man fühlt sich wie in einer grossen Marina am Mittelmeer. Am späten Nachmittag werden die Clubs aktiv: Drachenboote, Segelboote, Ruderer, Kanuten und Standup-Padler wuseln hin und her. Das Wetter kippt wieder in Richtung Hochsommer. Einfach herrlich.    

Gefahrene Distanz: 9 km (Motor: 2697 h)

Donnerstag 23. Juni 2022, Schierstein-Bingen: Der Mittwochsausflug nach Wiesbaden lohnte sich. Mit dem Bus Nr. 23 (oder 18) erreicht man direkt die Fussgängerzone der Altstadt. Wahrzeichen der Altstadt ist die Marktkirche mit ihren Spitztürmen. Ihre Türen öffnen sich erst um 12 Uhr. Der Markt daneben offeriert alles, was in der Region wächst, und zusätzlich den Catch of the Day aus der Nordsee. Ebenfalls am Marktplatz konzentrieren sich die Prunkbauten der Landesregierung und des Landtags Hessen. sehr eindrücklich. Nächste Station ist der Kurpark mit Theater, Casino und Kursaal. Unbedingt nicht verpassen: Eine Fahrt mit der Nerobergbahn (Endstation Bus Nr. 1). Die Standseilbahn funktioniert laut eigenen Angaben nur mit Wasser. Das Bähnchen oben füllt seinen Tank und zieht mit dem Gewicht beim Herunterfahren den anderen Wagen hoch. Oben weiss einerseits das Panorama zu begeistern (am Horizont hinter Mainz die wuchtigen Blöcke des ZDF-Sendezentrums), anderseits sind das Opel-Freibad und die russisch-orthodoxe Kirche ebenfalls beeindruckend. Badehose nicht vergessen! Wir haben sie nicht dabei und können deshalb nicht ins erfrischende Becken hüpfen (oder via eleganter Wasserrutsche gleiten). Als Alternative wählen wir die Terasse des Opelbad-Restaurants (sehr schön, sehr freundliche Crew) und kühlen uns mit einer Flasche Rheingau-Rosé. Zum Abschluss tauchen wir in die Welt der russischen St. Elizabeth-Kirche. Männer mit kurzen Hosen erhalten beim Eingang (2 € Eintritt) einen Rock, um die gestählten Waden zu bedecken... Das Kircheninnere zeigt eine komplett andere Kultur als die Domkirchen von Speyer und Mainz, das ist nicht überraschend, aber ein wenig überwältigend, wir fühlen uns fast wie in Griechenland.

Am Donnerstagmorgen liften wir in Schierstein den Anker, respektive wir lösen die Leinen und legen ab, rheinabwärts. Die Hügel links und rechts werden höher, und die Rebberge grösser. Am Ufer beeindrucken wuchtige Villen, und schon taucht das monumentale Niederwald-Denkmal oberhalb von Rüdesheim als Wegmarke auf. Wir lassen die mit der Kaiserkrone winkende Germania aber rechts liegen und biegen links in das Binger Hafenbecken ab. Ganz zuhinterst befinden sich die Stege des Motor-Yacht-Clubs Bingen. Wir gehen beim Clubschiffrestaurant "Winterhafen" längsseits und checken selbständig ein (Formular findet sich im Zelt auf dem Steg). 

Die Sonne sticht vom Himmel, wir fühlen uns wie tote Fliegen und hängen in den Stühlen. Ab und zu fächelt ein Windhauch etwas Abkühlung durch den Hafen. Die Siesta dauert bis zum Abendessen, wir bewegen uns immerhin auf die Terasse des "Winterhafen", das sind etwa 10 Meter... Mit dem Untergehen der Sonne türmen sich immer dichtere Wolken auf. Kommt das Gewitter? Wir sagen Nein und entscheiden uns für einen spätabendlichen Besuch der Drosselgasse in Rüdesheim auf der anderen Rheinseite. Die Autofähre nimmt uns mit. Wir spazieren duch den Touristenort und finden vor allem verschlossene Türen. Alle Weinstuben, in denen tagsüber vermutlich die Post abgeht, ruhen still und leer. An der Wasserfront gibt's doch noch ein Glas Wein, aber nichts von beschaulicher Abendstimmung. Alle zehn Minuten rauscht mit mächtig Lärm ein Güterzug vorbei. Die fortgeschrittene Zeit und das sich nähernde Wetterleuchten lassen uns aufbrechen. Mit der zweitletzten Fähre vor Mitternacht kehren wir nach Bingen zurück. Wir machen das Schiff dicht, legen uns hin, und zwei Stunden später prasselt Regen aufs Deck.

Gefahrene Distanz: 23 km (Motor: 2699 h).

Freitag 24. Juni 2022, Bingen-St. Goar: Das Wetter ist so eine Sache, kaum ist es heiss, so wünscht man sich Abkühlung, die kommt dann in Form von Regen, und schon wieder möchte man es lieber heiss. Am Freitagabend haben wir noch geschwitzt, jetzt am anderen Morgen ist es so kühl, dass wir in der Küche frühstücken.

Die Mittelrhein-Strecke bis Koblenz hat es in sich. Einerseits lauert die Loreley auf unvorsichtige Schiffsleute, und anderseits ist die Navigation auf diesem Rheinabschnitt ziemlich komplex. Dies lässt jedenfalls der Revierführer vermuten. Das Buch beschreibt ausführlich, wo Gefahren lauern und wie die Wahrschau als Prävention vor dem Untergang funktioniert. Wir lesen uns durch und sind nachher nicht schlauer als vorher. Als wir abfahren wollen, streikt der Plotter. Anstelle des Fahrwassers und der Flusskarte zeigt er weisse Kacheln. Super, dass das genau jetzt passieren muss! Wir checken alles, auch die Support-Hotline von Garmin. Diese ist inexistent, das Web verrät keine Telefonnummer für einen Notanruf. Also checken wir das Gerät nochmals, mit Erfolg. In einem der SD-Slotts hat sich die der Datenträger gelöst. Nun funktioniert der Plotter wieder und wir stürzen uns ins Abenteuer Loreley. Wir hängen uns ans Heck eines Binnenschiffs, und das wars schon. Im Windschatten des grossen Frachters passieren wir alle Engstellen problemlos und meistern die Begegnungen mit den entgegenkommenden Bergfahrern sorglos. Und schon machen wir in Bingen in der Funsport-Marina fest. Zurück zum Wetter: Mit Windjacke und Pullover trotzen wir den kühlen Temperaturen und hoffen auf Sonne. Diese kommt dann auch, und schon ist es wieder schwülheiss. 

Wir klettern zum Schloss Rheinfels hoch, schwitzen, setzen uns für ein kühles Bier in die Schlossschenke, und schon ziehen wieder Gewitterwolken auf.  Gefahrene Distanz: 29 km (Motor: 2701 h). 

Samstag 25. Juni 2022, St. Goar-Koblenz: Die zweite Hälfte der Mittelrhein-Bergstrecke passieren wir genauso unaufgeregt, wie den ersten Teil. Wir folgen zuerst einem talfahrenden Frachter. Das Berufsschiff ist aber deutlich schneller unterwegs, und bald sind wir alleine. Vermehrt kommen die Bergfahrer mit der blauen Tafel zu Berg. Ein gutes Fernglas schafft schon von Weitem Klarheit, alle Begegnungen verlaufen unkritisch. Wir parken NAJADE in der Rhein-Marina Kaiser Willhelm für die nächsten zwei Wochen.  Gefahrene Distanz: 33 km (Motor: 2704 h).

      

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NAJADE ist eine betagte Dame. Das Stahlschiff mit Jahrgang 1985 benötigt viel Aufwendung. Im Winterquartier auf dem Rhein in Rheinfelden wird am Schiff gearbeitet. Auch dieser Webauftritt ist eine Baustelle. Der Inhalt enthält noch viele Fehler, Leertexte und Provisorien. Kontakt: trenold(at)trenold.ch

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